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Health Games – Wenn Videospiele Bestandteil von Therapie werden

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Videospiele werden aus verschiedenen Gründen gespielt, wobei der Hauptgrund sicher die Unterhaltung ist. Es macht uns Spaß, entspannt uns und nimmt uns mit auf Abenteuer und in spannende Welten. Videospiele sind nicht nur in der Mitte unserer Gesellschaft als kulturelles Gut angekommen, sondern finden auch in weitaus ernsteren Gebieten Anwendung.

Serious Gaming – Fähigkeiten testen und verbessern

Serious Gaming bezeichnet die Verwendung von Videospielen oder Videospielelementen für ernste Zwecke, z.B. zum Lernen oder als virtuelles Training. So gibt es Serious Games im Bereich Medizin, wenn angehende Chirurgen sich spielend auf bevorstehende Operationen vorbereiten und oder im Bereich Architektur, wenn die Baustatik des konzipierten Objekts getestet wird – alles in spielerischer Art und Weise und mit einem bestimmten Ziel: den Spielenden in seinen Fähigkeiten zu testen und zu verbessern. Die Health Games sind eine Sparte der Serious Games und bezeichnen Spiele die sich mit der Förderung der Gesundheit befassen. Es gibt zum Beispiel bereits viele Titel auf dem Markt, die ein Ersatz für Fitnesskurse sein können. Alle Spiele, die Bewegung fördern und den Kreislauf in Fahrt bringen, kann man dieser Kategorie zuordnen.

Mit 3D-Shooter gegen Krebszellen

Health Games werden oft auch im Rahmen von Therapien eingesetzt, so zum Beispiel bei jungen Krebspatienten. Hier dienen sie primär zur gesundheitlichen Aufklärung und der spielerischen Aufarbeitung der Krebserkrankung und deren Behandlung. Re-Mission und Re-Mission 2 heißen die ersten Health Games von HopeLab aus den USA, in denen Erkrankte die Möglichkeit haben, den Krebszellen virtuell den Gar aus zu machen. Zusammen mit Hauptfigur Roxxi pulverisiert man in 3D-Shooter-Manier die quallenartigen Krebszellen in der Blutbahn. Der Spieler bekommt dabei immer positives Feedback und die Botschaft ‚DU SCHAFFST DAS! ‘ Vermittelt. Der Effekt lässt sich an einer Wirksamkeitsstudie der Stanford University belegen: Dank Re-Mission beteiligen sich Kinder und Jugendliche motivierter an der Chemotherapie und nehmen regelmäßiger ihre Medikamente. Außerdem stieg das Wissen rund um die Erkrankung ebenso an.

Ergänzung zu Physiotherapien

Auch bei der degenerativen Kleinhirn-Ataxie (in Deutschland rund 5.000 erkrankte Patienten) werden Health Games erforscht. Diese Form der Ataxie ist unheilbar und stört die Koordination und das Zusammenspiel von Bewegungsabläufen. Erkrankte sind im Verlauf der Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen oder bettlägerig. Das Hertie Institut in Tübingen, das Forschung in diesem Bereich betreibt, stellte fest, dass intensive Koordinationsübungen mit physiotherapeutischen Übungen den Verlauf der Krankheit deutlich mildern können. Hier werden Health Games genutzt, um die Kinder und Jugendlichen spielerisch zu möglichst viel Bewegung zu motivieren – mit Erfolg. Health Games sind für Patienten eine willkommene Ergänzung zu koordinativen Physiotherapien.

Finanzierung ist die größte Herausforderung

Warum gibt es dann also nicht viel mehr Health Games? Die größte Herausforderung ist die Finanzierung. Da die Spiele genau auf die Anforderungen der Therapien angepasst werden müssen, bedarf es nicht nur der reinen Entwicklung, sondern grundlegender Erforschung der Therapieansätze und nachträglicher wissenschaftlicher Begleitung. Derzeit unterstützen die Deutschen Krankenkassen die Entwicklung der Spiele nicht und beteiligen sich auch nicht in den Kosten der Anschaffung durch den Patienten.  Oft ist das Thema Health Games für viele Einrichtungen noch unbekannt. Dennoch zeigen die bisherigen Health Games, wo Videospiele effektive Ergänzungen und wichtige Motivatoren für Therapien sind – und dementsprechend eine viel versprechende Zukunft haben.

Bild: Re-Mission 2